24
Aug
2010

Im Herzen der Alpen

Seit 1986 führt die Radsportabteilung der Turngemeinde Altdorf e.V. mit Abteilungsleiter Bernhard Duffner in den Sommerferien eine einwöchige Radtour mit Rennrad oder MTB durch. Dabei wurden immer attraktive Ziele direkt von Altdorf aus angefahren, (z.B. Mittelmeer (Riviera oder Adria), Berlin - oder auch die Anfahrt mit dem Begleitfahrzeug getätigt und danach 6 Radtage durch bekannte und unbekannte Gebiete mit mehreren Pässen angehängt (z.B. durch die Schweizer, Österreichischen oder Französischen Alpen), aber auch Touren durch den Apennin oder die Pyrenäen gehörten schon zum Programm. In einem Begleitfahrzeug werden Campingausrüstung und Küche mitgeführt, so dass die Gruppe relativ ortsunabhängig ist und je nach unvorhergesehenen Wetter- und topographischen Verhältnissen den Streckenverlauf nach Bedarf verändern kann.

In diesem Jahr wurde beschlossen, die Tagesetappen von zwei verschiedenen Basisstationen aus zu starten. Über Basel – Lausanne – Genf erreichte die Gruppe am Ende des Anfahrtstages den in der Hochprovence gelegenen Ort Barcelonnette, wo auf einem Campingplatz im Tal der Ubaye das Zelt aufgeschlagen wurde. 

Gleich am nächsten Tag nahm man auf der „Route des Grandes Alpes“ den Col de la Bonette in Angriff, den man über Jausier von der Nordseite aus anfuhr. Dieser Pass mit 2802 m gilt als die höchste in den Alpen befahrbare Transitstrecke. Die Szene wechselte von freundlichen Almwiesen, zu kahler Felslandschaft mit ausgedehnten Geröllfeldern. Von der Passstrasse um die Cime de la Bonette genoss man bei angenehmen Temperaturen und blauem Himmel eine wunderschöne Aussicht vom Pelvoux-Massiv zum Monte Viso und konnte auch weite Teile der Seealpen mit einschließen. 

Die darauffolgende Tagestour – man startete wiederum von Barcelonnette aus – führte  in südlicher Richtung  auf den Col de la Cayolle (2325 m) von wo eine Teil der Gruppe weiter ins Vars-Tal rollte und über den Col des Champs (2095 m) den Wintersportplatz Ort Allos erreichte und dann von der Südseite in einer kehrenreichen Auffahrt durch das obere Verdon-Tal den Col d’Allos (2240 m) anfuhr, den der Rest der Gruppe von der Nordseite aus erklomm.

Am dritten Tag wählte man den Col de Vars (2111 m) als Übergangspunkt zwischen dem Tal des Guil ( Durance) und dem Tal der Ubaye gleichzeitig Départementsgrenze zwischen dem Dauphiné und der Haute-Provence. In diesem reizvollen Tal passierte man nach einer Serpentinengruppe die Felsgestalten „Colonnes Coiffées“. Den schönsten Ausblick hatte man von den Kehren oberhalb von  St. Paul-sur-Ubaye auf die Aiguille de Chambeyron (3411 m) – in der Grenzzone gegen Italien gelegen.

Nach den Tagestouren stärkten sich die Altdorfer Radsportler aus der eigenen Küche und nahmen abends am touristischen Leben in Barcelonette teil, als verschiedene Programme im Zentrum des Markt- und Luftkurortes geboten wurden. Während tagsüber – auch auf den Pässen – angenehme Temperaturen bei blauem Himmel und Sonnenschein optimal Voraussetzungen für das radsportliche Programm herrschten, fiel das Thermometer  in den sternenklaren Nächten auf einstellige Gradzahlen zurück.

Aufgrund der beständigen Witterung entschloss man sich am 4 Tag zu einem Wechsel des Basislagers, fuhr mit dem vollbepackten Begleitfahrzeug Richtung Norden, und erreichte über den Col de Vars den Wintersportort Guillestre und schließlich im Tal der Durance BrianÇon, die mit 1326 m höchstgelegene Stadt Europas. Dieser Ort liegt zwischen der Pelvoux-Gruppe im Westen und den Cottischen Alpen im Osten, ist ein bedeutendes Wintersportzentrum der Dauphiné und Klimakurort. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört die von Vauban im 17. u. 18. Jahrhundert befestigte Altstadt, die als Fußgängerzone geschützt ist und ganzjährig von vielen Touristen besucht wird. Für Radsportler ist BrianÇon, Ausgangspunkt für verschiedene, anspruchsvolle Passfahrten. 

Am ersten Tag wählten die Altdorfer die Passstraße zum Col d’Izoard, die ihren Verlauf durch die gewaltige Schlucht der Cerveyrette nahm, und später dann direkt gegen Süden anstieg. Danach beherrschte eine wildzerklüftete Felslandschaft die Szenerie. Dies war jedoch nur der Auftakt zu der gespenstischen, eigenartigen Landschaft dieses Passes. 

Die Passstraße wandte sich in etlichen Kehren durch Lärchenwald empor. Bis zum Refuge Napoléon waren kräftige Steigungen zu  überwinden und schließlich erreichte man den Obelisken auf der Scheitelhöhe (2361 m). 
Völlig verschieden war tags darauf die Auffahrt bis zum Talschluss (2030 m) des Vallée de la Clarée, das nicht zu Unrecht als schönstes Tal des BrianÇonnais gilt. Man erfuhr vielfältige Eindrücke, die sich zu einem malerischen Bild verbanden: prächtige Wälder, welche an den steilen Hängen hoch hinaufstiegen, klare Wasser (Clarées), schmucke Dörfer, hübsche Kapellen, und eine form- und farbenreiche Gebirgsumrahmung. Anfangs gab es einige Kehren mit kräftigen Steigungen, danach wurde das Tal flacher und breiter und später führte die Straße über Holzbrücken zum Parkplatz oberhalb der Alphütten. Ein Fahrverbot für Autos im letzten Teil des Tales erhöhte zusätzlich  den Fahrgenuss für die Radsportler.

Der letzte Tag sollte mit dem Col du Galibier nochmals einen Höhepunkt bringen, den die Altdorfer Radgruppe bereits bei der ersten Alpentour 1986 im Programm eingebaut hatte. Während man damals den Pass von Norden anging, führte der Tourenverlauf der letzten Tagesetappe von BrianÇon – für einen Teil de Gruppe auf der stark befahrenen Nationalstraße bis zum Col de Lautaret (2058 m), - danach für alle hinauf zum Scheitelpunkt (2645 m), von wo man zum letzten Mal ein perfektes Rundpanorama genießen konnte. Besonders eindrucksvoll waren die Prachtblicke auf die vergletscherte Barre des Ecrins (4102 m) und die Meije (3983 m)  im Süden, die Aiguilles d’Arves (3514 m) im Westen und den Mont Thabor (3186 m) im Osten.

Bei der Serpentinen-Abfahrt  war man beeindruckt von den grau, schwarz und rötlich schimmernden Geröllteppichen dieser Hochregion oberhalb der Vegetationsgrenze. Der Wintersportort Valloire war Entpunkt der Halbtagesetappe. Dort wurden die Rennräder auf das Begleitfahrzeug  montiert und die Altdorfer Radsportler konnten die Tour nach ca. 600 km und etwa 9000 Höhenmetern  ohne Sturz oder Reifenpanne  beenden. Die hervorragenden und optimalen Wetterverhältnisse bei angenehmen Temperaturen während der gesamten Woche ließen diese Sommertour wiederum  zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Über St. Michel-de-Maurienne, Chambéry, Annecy, Genf und  Basel kehrte man nach einer ca. 8-stündigen Fahrt in den frühen Abendstunden wieder nach Altdorf zurück.

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