04
Nov
2016

Interview mit Bernhard Duffner

Interview mit dem Organisator des Altdorfer Radwandertages und des symBadischen Radmarathons Bernhard Duffner

Marius Goht und Bernhard Duffner

Nach 30 Jahren akribischer Organisation dieses Radsportereignisses zieht sich Bernhard Duffner aus dem operativen Geschäft als Cheforganisator zurück und überlässt im nächsten Jahr die Organisation seinen Nachfolgeren Bernd Grundmann und Marius Goth.

Frage: Wie entstand die Idee vom Radwandertag in Altdorf?

B.D.: Es war zuerst eine Idee meines Bruders Markus, der damals erste Alpentouren machte, auch mit dem Fahrrad. Persönliche Erfahrungen beim Fahren in den Alpen haben dann die Frage aufgeworfen, wo gibt es in unserer Gegend etwas vergleichbares an Bergen und da hat sich der Mittelschwarzwald sehr gut angeboten.

Frage: Wie entwickelte sich dieser Radwandertag?

B.D.: Schon beim ersten Mal 1987 hatten wir als „Nichtradsportverein“ 624 Teilnehmer. Dies ist in den Jahren danach etwa gleichgeblieben. 1990 kamen schon die Mountain-Biker dazu, obwohl Mountainbike noch in den Kinderschuhen war. 2000 kam die Empfehlung vom Radsportverband, „macht doch mal einen Radmarathon“. Dieses wurde sogleich in die Tat umgesetzt und so gibt es seit 2000 den symbadischen Radmarathon mit 201 Kilometern. Später wurde dieser Radmarathon ab 2003 in die Super-Cup Serie des Bund Deutscher Radfahrer aufgenommen, eine hohe Anerkennung. Es war schon ein tolles, unvergessliches Gefühl, am 7.9.2003 morgens um 6.45 Uhr den Start von 346 Radmarathonfahrer zu erleben.

Frage: Wie hoch ist denn der Zeitaufwand für die Organisation?

B.D.: Im Durchschnitt musste ich 200 Stunden dafür aufwenden. Als Lehrer im Hauptberuf wurden vor allem die Ferien dafür benutzt. In den Sommerferien ist vieles zu klären, damit am Ende der Sommerferien die Veranstaltung auch klappt.

Frage: Wie hat denn die Familie auf diese Einschränkung, nicht in den Sommerferien fortzufahren, reagiert?

B.D.: Meine Frau Marianne hat dies immer mitgetragen. Sie hat sich jahrelang um die Verpflegung gekümmert und meine Tochter Caroline hat das Fieber ebenfalls ergriffen; sie ist im Verein groß geworden. Sie hat auch vor zwei Jahren mein Amt als Oberturnwart, das ich 43 Jahre lang inne hatte, von mir übernommen.

Frage: Was sind die Besonderheiten an Altdorf, dass diese Veranstaltung so viel Erfolg hatte, nicht nur in der Region?

B.D.: In erster Linie muss man den Verein nennen, der nicht nur mit der gesamten Vorstandschaft hinter diesem Projekt steht, sondern alle Mitglieder im Verein, die als Helfer für diesen Radwandertag zur Verfügung stehen. 100 Helfer sind an diesem Sonntag im Einsatz, damit alle teilnehmenden Radfahrer vom Jüngsten bis zum Ältesten zufrieden gestellt werden und ihren Spaß haben. Ich habe 40 bis 50 Personen, die immer an der gleichen Stelle zuverlässig arbeiten. Ein weiteres Plus sind die unterschiedlichen Strecken, die dem leistungsorientierten Radfahrer, dem ambitionierten Hobbyfahrer, dem Gelegenheitsfahrer mit Familie oder dem spontanen Schönwetterfahrer angeboten werden.

Frage: Was hat in den 30 Jahren am meisten Freude bereitet?

B.D.: Wenn die Leute kaputt und glücklich in Altdorf ankommen. Kaputt heißt, dass sie an ihre persönliche Leistungsgrenze gegangen sind, sie gefunden haben und dennoch glücklich und zufrieden an der Altdorfer Münchgrundhalle landen.

Frage: Gibt es eigentlich ein finanzielles Risiko für den Verein, wenn es zum Beispiel regnen sollte und nicht so viele Teilnehmer kommen?

B.D.: Eigentlich gibt es kein finanzielles Risiko, denn viele Kosten sind durch die zahlreichen Sponsoren abgedeckt. Man müsste eher fragen, ob sich der Aufwand für den Verein lohnt. Da kann ich sagen, dass sich der Aufwand lohnt. Einmal dadurch, dass wir viele positive Rückmeldungen von den Teilnehmern erfahren und zweitens schweißt so ein Event auch den Verein zusammen. Es ist immer wieder schön in die zufriedenen Augen der manchmal abgekämpften Radfahrer zu schauen und ein Lob für diese tolle Organisation und natürlich für die ausgewählten Strecken zu bekommen. Wir machen auch keinen Vereinsausflug für die Vorstandschaft vom Reingewinn, sondern alles fließt direkt in den Übungsbetrieb der Turnabteilungen und dem Wettkampfbetrieb der Handballmannschaften.

Frage: Gab es auch Zeiten, in denen Bernhard Duffner alles hinwerfen wollte?

B.D.: Die gab es auch! Allerdings wurde überlegt, warum etwas schief gelaufen ist. Auf eine Fehlererkennung folgte dann sofort die Fehlerbeseitigung und dann war man auch wieder mit sich selbst zufrieden.

Frage: Wird Bernhard Duffner auch nach seinem Abschied aus der Organisation etwas zum Altdorfer Radwandertag beitragen?

B.D.: Direkt werde ich mich nicht einmischen, nur stelle ich alle meine bisherigen Unterlagen zur Verfügung, damit man nicht wieder bei Null anfangen muss. Meine Ordner über 30 Jahre sind mit Materialien gefüllt und müssen nur übernommen werden. Ich habe vor 5 Jahren meinen Abschied für das Jahr 2016 angekündigt und das ist eine lange Zeit, um zu reagieren.

Frage: Was rät Bernhard Duffner seinem Nachfolger?

B.D.: Da habe ich nichts zu raten. Ein bisher funktionierendes System ist vorhanden. Mein Nachfolger wird vieles wohl übernehmen, aber es werden auch neue Ideen hineinkommen. Marius Goth ist ein zuverlässiger, kooperativer Mann, ambitionierter Radsportler, dem ich viel Erfolg wünsche. Der Vereinsvorstand steht voll hinter ihm.

Frage:  Nach dem Abschied aus der Schule und jetzt dem Abschied aus der Organisation des Altdorfer Radwandertages – was macht Bernhard Duffner danach?

B.D.: Ich falle bestimmt nicht in ein Freizeitloch. Dafür betreibe ich zu gern Sport und Musik. Ich werde viel mehr am Klavier sitzen, die VHS-Kurse im Gitarrespielen biete ich weiterhin an und ich werde auch wie bisher im Schülerorchester am Scheffel-Gymnasium Violine spielen. Sportlich werde ich in Ettenheim Badminton spielen, mich mit ehemaligen Kollegen in Lahr zum Volleyball bzw. Hallenfußball treffen, Mountainbike oder Rennrad fahren, meine Winterleidenschaft das Skifahren alpin und nordisch weiter betreiben. Also kann ich damit schon viel der neu gewonnenen Freizeit abdecken und natürlich wird das Reisen mit meiner Frau in ferne und nahe Länder erweitert werden. Lesen möchte ich auch wieder mehr, nicht nur die Zeitung.

Vielen Dank für das Gespräch!

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