11
Apr
2015

Bernhard Duffner sagt als Oberturnwart adieu

ETTENHEIM-ALTDORF. Nach Superlativen gefragt, muss Bernhard Duffner in seiner Erinnerung etwas kramen, denn als Vereinsmensch und Breitensportler freut er sich, wenn möglichst viele beteiligt sind. Er spricht mehr von "Wir" als von "Ich". Mit 66 Jahren hat er jetzt das Amt des Oberturnwarts in der Turngemeinde Altdorf, das er 43 Jahre lang ausgeübt hatte, an seine Tochter Caroline weiter geben.
Als Ehemann, Familienvater, Vereinsgründer, Übungsleiter, als Organisator von Skitouren, Radmarathon und Genusswandern, als Musiker und Lehrer blickt der Altdorfer auf einige entscheidende Punkte in seinem Leben.

Die brenzligste Situation: Seine Frau Marianne gibt ihm das Stichwort. "Wir sind mit den Rädern von Altdorf zum Mittelmeer aufgebrochen", erinnert er sich. Und wir waren schon einige Tage über die Alpenpässe unterwegs, selbstverständlich damals ohne Handy." Zu Hause wurde seine Frau langsam nervös, sie war hochschwanger. Doch rechtzeitig zur Geburt tauchte Bernhard Duffner wieder auf. Die Tour war zu Ende und Töchterchen Caroline kam am 5. August 1986 auf die Welt.

Seine schwierigste Entscheidung hatte Bernhard Duffner vor vielen Jahren zu fällen, als er mit einer Seniorengruppe von zehn Skilangläufern – seine Eltern waren damals auch dabei – am Feldberg unterwegs war. "Den ganzen Tag schien die Sonne", erinnert sich Duffner. "Am Nachmittag aber zog Nebel auf, und wir wollten noch bis zur Todtnauer Hütte. Wir hatten noch 150 Höhenmeter vor uns, und ich entschied, weiter zu gehen." Nach kurzer Zeit befand sich die Gruppe im dichten Nebel.

"Wir hatten keine 50 Meter Sicht, es lag Neuschnee, und ich habe die Schritte gezählt. Es ging im Zickzack den Berg hinauf und ich hoffte, dass wir uns nicht im Winkel vertan haben." Es war still, nur dumpfes Schnaufen, bis endlich ein Hund bellte. "Das war eine Erlösung für mich", gibt Duffner zu. "Selbst die Schelte eines holländischen Nato-Soldaten, der dort stationiert war, was um Himmels willen die Gruppe dort im dichten Nebel suche, sei für ihn wohltuend gewesen. Duffner: "Wir haben am Abend unsere Hütte erreicht, und mir ist ein Stein vom Herzen gefallen."

Dauerhafteste Freundschaften hat Bernhard Duffner auf ähnliche Weise geschmiedet. Mit seiner Kindergruppe, die er als damaliger Student im Altdorfer Turnverein trainierte, hat er Ausflüge, im Winter wie im Sommer unternommen. "Wir sind im Winter, bei Kälte und Regen in den Brudergarten gezogen und haben dort übernachtet. Das schweißt zusammen." Großen Spaß hatte die Gruppe bei den Fasnachtsauftritten, den Nikolausfeiern, immer dann, wenn Freude und Leistung vereint werden konnten. Heute noch stehen die damaligen Turner an seiner Seite, als treue Helfer beim Altdorfer Radwandertag.

"Wir haben im Winter im Brudergarten übernachtet. Das schweißt zusammen."

Bernhard Duffner
Den schlimmsten Unfall hatte der begeisterte Radsportler im Jahr 2008, als er bei der Abfahrt vom Hochtannbergpass ins Lechtal, am Ende der ersten Tagesetappe, mit seinem Vorderrad das Hinterrad seines Bruders touchierte. Sein Bruder sagte noch: "Die drei da vorne hauen ab", und die Duffners entschieden sich, die Ausreißer einzuholen. "Es war kurvig, windig und steil", sagt Duffner. "Für mich war die Tour nach dem Sturz zu Ende: Der Helm war zertrümmert, der Kopf trotz Gehirnerschütterung noch heil, die Bänder auf der Schulter gerissen, Rippen gebrochen. Es folgten Krankenhausaufenthalte, Rücktransport und einige Wochen der Rekonvaleszenz: "Und am ersten Schultag trat ich wieder an als Englisch- und Sportlehrer im Scheffelgymnasium in Lahr."

Bernhard Duffner hat schon immer Herausforderungen gesucht: Seinen größten musikalischen Erfolg hatte er als Violinspieler in der Schule: Das Capriccio Nummer 24 von Paganini gilt als eines der schwierigsten Musikstücke für Geige. 1968 erhielt er eine Urkunde am Ettenheimer Gymnasium für "besondere Leistungen bei der Mitgestaltung der Schulfeiern als Gitarrist und als zuverlässiger Geiger im Schulorchester".

"Es sind aber auch die kleinen Freuden der anderen gewesen, die mich beflügelt haben", sagt Bernhard Duffner. "Wenn die Kinder im Verein über Medaillen jubeln, oder wenn einer das Vereins-T-Shirt voller Stolz trägt." Einmal hatten die Übungsleiter den kleinen Turnerinnen sogar Lorbeerkränze aufgesetzt. Duffner lacht: "Und wenn wir heute die Bilder anschauen, gibt es immer noch heiße Diskussionen, wer damals mit dabei war."

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